Position zur gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP)

 

„Die traditionelle Falknerei wurde uns von unseren Vätern überliefert aus einer Zeit, als wir der Natur noch näher waren und als das Leben noch einfacher war. Sie erinnert uns ständig an die Kräfte der Natur, an die Zusammenhänge zwischen Lebewesen und dem Land, das sie sich teilen, und an unsere eigene Abhängigkeit von der Natur. Falknerei ist abhängig von gesunden Populationen der Beutetiere, wie z.B. der Kragentrappe, und diese sind wiederum abhängig von dem beständig guten Zustand ihrer Brut- und Überwinterungsgebiete. Falkner sind daher bemüht um die natürlichen Lebensräume und die nachhaltige Nutzung der Ressourcen.“ (S.H. Scheich Zayed bin Sultan Al Nahan in: "A Global Strategy for the Conservation of Falcons and Houbara", Abu Dhabi 2000.

 

„Es wird immer Männer geben, die mit Leidenschaft der schwierigsten Kunst anhängen werden, die denkbar ist: ein lebendiges Geschöpf an sich zu fesseln, indem man ihm immer wieder die Freiheit gibt.“ (Horst Stern)

 

Macht sich der Hase endgültig vom Acker?

Falknerei und Biodiversität


Das Problem

 

In den 1960er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts kam es durch den weltweiten Einsatz chlororganischer Schadstoffe und den dadurch verursachten Rückgang vieler Greifvogelarten auch zu einem Verlust der Verfügbarkeit von Greifvögeln für die Falknerei. Insbesondere die Situation des Wanderfalken schien hoffnungslos und er drohte für immer als Beizvogel verloren zu gehen. Nur durch bis dahin beispiellose Maßnahmen zu seiner Rettung (Verbot des DDT; Schutz der Horste und Wiederbesiedlung mit gezüchteten Falken) konnte diese zu einer fast beispiellosen Erfolgsgeschichte des Artenschutzes werden.

In den letzten Jahren, wiederum durch anthropogen bedingte Einflüsse, befindet sich die Falknerei in Mitteleuropa in einer Situation, in der man sich erneut fragen muss, ob die oben zitierten Worte Horst Sterns weiterhin Gültigkeit haben, aber diesmal verschwindet das Wild, vor allem die Feldhühner, die für die Falkner mit ihren Vögeln und Hunden als Beizwild kaum noch zu finden sind.

Das Rebhuhn stand einst für eine artenreiche Feldflur und stellte  neben dem Hasen von der Anzahl her (Jahresstrecken von 2 Millionen) auch für den Jäger mit der Flinte die wichtigste zu bejagende Wildart dar.

Es ist aber nicht nur das Verschwinden einer Wildart, sondern wir erleben einen unvergleichlichen Rückgang der Pflanzen- und Tierarten in der beackerten Offenlandschaft, dem größten Landschaftstyp in Mitteleuropa.

Vieles ist in der Komplexität der Wechselbeziehungen nicht verstanden, auch kann der  Landwirtschaft nicht allein die Schuld für diese Veränderungen gegeben werden. Unbestritten ist auch, dass es keine Alternative zu einer modernen Landwirtschaft gibt, die ihre Aufgabe erfüllt, die Menschen mit ausreichenden und preiswerten Nahrungsmitteln zu versorgen. Wir können aber auch nicht hinnehmen, dass die Artenvielfalt auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen Jahr für Jahr schwindet.

Durch vielfältige Studien wissen wir, welche Maßnahmen der Artenvielfalt in diesem Landschaftstyp helfen: Es braucht ergänzend zu den intensiv bewirtschafteten Flächen auch solche, die nicht mit Pestiziden und Dünger behandelt werden und die einen Pflanzenaufwuchs mit Steppencharakter zeigen. In der Schweiz liegen schon seit einigen Jahren Erfahrungen mit derartigen ökologischen Vorrangflächen vor, wo gezeigt werden konnte, dass  dadurch die Artenvielfalt insgesamt deutlich erhöht werden konnte.

 

Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP)


Die gemeinsame Agrarpolitik 2013 der EU hat der Notwendigkeit eines Umsteuerns über die bereits geforderten „cross compliance“-Vorgaben hinaus Rechnung getragen und erstmalig sind die Direktzahlungen an besondere Maßnahmen des Umweltschutzes- das sogenannte Greening- zwingend gekoppelt.

Die Gestaltung des Greenings auf nationaler Ebene wird derzeit lebhaft diskutiert, um den verschiedenen Interessen gerecht zu werden. Etliche Rechtsakte zur Umsetzung stehen noch aus.

Verhindert werden muss allerdings aus unserer Sicht, dass das Greening im Prozess der Abwägung der einzelnen Interessen nicht zu einem „Green Washing“ verwässert wird, ohne dass ein wirklicher Nutzen für die Umwelt eintritt. Dabei spielt eine wesentliche Rolle, was als Greening anerkannt werden soll. Klare Zielvorgaben abhängig von der Gebietskulisse sind dabei hilfreich. In den Gebieten mit ehemaligem oder rezentem (Rest-) Vorkommen an Rebhühnern kann z.B. diese Art als Leitart für artenreiche Tier- und Pflanzengesellschaften des Offenlandes angesehen werden. Biotopgestaltung zum Nutzen des Rebhuhns sollte daher die Interessen von Naturschützern, Jägern und Falknern gleichermaßen befriedigen.

 

Der Fasan, auch ein Sorgenkind...

Konkrete Umsetzung im mitteleuropäischen Raum


Eine Greening-Maßnahme zur Förderung des Rebhuhns können Blühstreifen sein,  locker gesät, um den Vögeln das Laufen zu ermöglichen. Da Rebhühner in vorjährigem Bewuchs brüten, muss hierfür Sorge getragen werden (Literatur beim Verfasser). Mehrjährige Blühstreifen bedeuten gleichzeitig Winterdeckung und Futter für eine Vielzahl weiterer Vogelarten.

Prädestiniert sind Grenzertragsflächen, wenngleich innerhalb großer Schläge Brachen besonders wertvoll sind. Besonderes Augenmerk gilt ebenso der Erhaltung und Wiederherstellung möglichst nutzungsfreier Feldrandstreifen, Wegränder und Feldböschungen. Weg- und Schlagränder vernetzen das Offenland wie kein anderes Landschaftselement. Allein durch das Unterlassen der üblichen Schlaghygiene könnten so je nach Schlag- und Eigentumsstruktur bis zu zehn Prozent des Offenlandes nachhaltig und aufwandfrei wildtierfreundlich erhalten werden.

Wenn sich Naturschützer, Jäger, Eigentümer und Bewirtschafter gut verstehen und die Bewirtschafter nicht in ihrer Freiheit eingeschränkt werden, artenfreundlich gestaltete Flächen zukünftig wieder anderen Nutzungen zuzuführen, wird die Bereitschaft erhöht, auch aus wirtschaftlicher Sicht wertvollere Standorte einzubringen.

Für die Anlage, Gestaltung und Pflege derartiger Flächen werden des Weiteren folgende Grundsätze empfohlen (Dr. T. Gehle, Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung, Landesbetrieb Wald und Holz NRW,):

 

●   Mindestfläche 0,1 Hektar

●   Anlage von Streifen, Begrünung nicht breiter als 30 bis 50 m

●   Unterbrechen der Begrünung durch 3 bis 5 m breite Schwarzbrachestreifen

●   Mindestabstand von 30 bis 50 m zu vielbefahrenen Landstraßen oder Autobahnen (Vermeidung von

     Wildunfällen)

●   Fläche sollte mindestens halbtags besonnt sein

 

Im Falle einer Begrünung kann im Mai oder im Juli eingesät werden. Eine Vorbehandlung der Flächen nach guter landwirtschaftlicher Praxis ist in der Regel erforderlich .

Das Gemenge (Aussaat 10 - 40 kg/ha) richtet sich nach Standort, Zustand der Fläche vor der Einsaat und geplanter Dauer der Maßnahme (einjährig oder mehrjährig). Empfohlen werden u.a. Esparsette, Kohl, Raps, Klee, Ölrettich, Ackerbohne, Senf, Lupine, Phacelia, Hirse, Markstammkohl, Kulturmalve, Buchweizen, Knaulgras, Lieschgras. Diese Kulturpflanzen sind in der Regel in den meisten handelsüblich verfügbaren Einsaatmischungen enthalten.

Derart angelegte Flächen sollten nicht vor dem 1. Juli gemäht, abgeschlegelt, gefräst oder gemulcht werden.

Außerordentlich wichtig erscheint die wissenschaftliche Begleitung der getroffenen Maßnahmen als auch deren Dokumentation, um eine zielorientierte Entwicklung der zu treffenden Maßnahmen zu ermöglichen.

In den vielen Gesprächen, die wir vor Ort mit den Landwirten geführt haben, ist immer wieder deren Angst vor einem dauerhaften Verlust ihrer Flächen geäußert worden. Hier sind verbindliche Zusagen notwendig. Hinderlich ist auch der erhebliche bürokratische Aufwand bei Einrichtung von Naturschutzflächen und weiterhin auch die Befürchtung, die Gülle mit hohen Kosten weithin transportieren zu müssen, wenn Flächen aus der Produktion genommen und als Entsorgungsflächen nicht anerkannt werden. Die Einrichtung ökologischer Vorrangflächen darf vor allem auch ihre Produktivität nicht dauerhaft beeinträchtigen (mögliche Verunkrautung) und muss im Konsens mit den Landwirten getroffen werden.


Gemeinsamer Nutzen


Wir verstehen unser Engagement für das Rebhuhn und die anderen Arten der Offenlandschaft nicht als Partikularinteresse, es geht auch nicht nur um die nachhaltige Nutzung. Bestimmte Arten stellen auch einen wirtschaftlichen Wert dar, betrachtet man beispielsweise die Bestäuberleistungen der Bienen und Wildbestäuber. Artenvielfalt und die dafür notwendigen Habitate machen das Landschaftsbild lebendiger, lebens- und liebenswerter. Es geht auch um die Erhaltung des menschlichen Lebensraumes. Sicherlich könnten wir in einer artenarmen Umwelt überleben, aber wollen wir nur das?

Es gibt ausreichend Beispiele, dass sowohl Schutzziele als auch intensive Landwirtschaft, die für die Ernährung der Bevölkerung unabdingbar ist, erfolgreich kooperieren können.

Wir bitten Sie hiermit, sich dafür einzusetzen, dass in einem breiten gesellschaftlichen Konsens aus Naturschützern (NGOs, beruflicher Naturschutz) und sogenannten Naturnutzern (Landwirte, Imker, Jäger, Angler, Erholungssuchende) Maßnahmen zum Greening getroffen werden, die dem Artenschwund entgegenwirken und dazu beitragen, auch den uns nachfolgenden Generationen die Feldflur als eine artenreiche und ästhetisch ansprechende Kulturlandschaft zu hinterlassen.

 

Emsdetten, im Januar 2013

Dr. Michael Greshake, Obmann für die Erhaltung des Niederwilds im Deutschen Falkenorden e.V.

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