Auswilderungsbericht 2015

des deutsch-polnischen Auswilderungsprojektes

 

Nachdem wir im Herbst und zeitigen Frühjahr die Zeit nutzten um an vier Standorten je 10 zusätzliche Nisthilfen anzubringen, gelang es uns nicht, trotz intensiver Bemühungen die auf 2-Jahre begrenzten EU-Fördergelder zu verlängern. Die allgemeinen Kosten des Projekts werden im Moment nach wie vor durch die polnische Gesellschaft für Wildtiere „Stowarzyszenie na rzecz Dzikich Zwierząt „Sokół” getragen.

Ohne den Idealismus und das ehrenamtliche Engagement der vielen Helfer und Züchter auf polnischer, slowakischer, tschechischer und deutscher Seite wäre es unmöglich ein derartiges länderübergreifendes Artenschutzprojekt zu meistern. Deshalb gilt unser Dank all denen, die mit ihrem Einsatz ein Stück zum Gelingen des polnischen Baumbrüter Projektes beitragen.

 

Wir führten fünf Transporte aus Deutschland nach Polen durch und brachten 25 Wanderfalken von Züchtern des DFO für die Auswilderung dorthin. Der erste Transport fand am 9. Mai 2015 von mir mit zwei Falken aus Bayern (Sieber) und drei aus Baden-Württemberg (Ottmann) statt. Die Falken wurden zusammen mit drei polnischen Falken an den Standort Milicz (Militsch) Südwestpolen in zwei Auswilderungskästen eingesetzt. Erfreulicherweise hatte sich das bereits seit dem Vorjahr bestätigte Paar (♀ Menneke, ♂ Tschechien) zu einem Brutversuch entschloss. Leider wurde die Brut zwei Tage bevor die Jungfalken ausgewildert werden sollten, aus unerklärlichen Gründen aufgegeben.

Da wir nicht sagen konnten, ob die Jungen bereits geschlüpft waren oder ob das Weibchen noch brütete als das Unglück geschah, haben wir den Horst untersucht. Wir konnten ein noch unversehrtes Ei und Eierschalen finden, ob die Eierschalen von einem bereits geschlüpften oder nur von einem zerbrochenen Ei stammten, ließ sich im Nachhinein nicht mehr feststellen. Das vollständig erhaltene Ei roch unangenehm was vermuten ließ, dass es wohl unbefruchtet war. Warum die Brut aufgegeben wurde und das Weibchen für circa zwei Wochen  verschwand, blieb ungeklärt. Wir waren allerdings erleichtert, als das Weibchen später wieder zusammen mit ihrem Partner am Auswilderungsstandort Milicz bestätigt werden konnte. 

 

Eine Neuansiedlung und erfolgreiche Naturbrut wurde uns aus Trzebież (Ziegenort) Westpommern ca. 25km nordöstlich von Szczecin (Stettin) gemeldet. Ein Ornithologe hatte beim Kartieren von Waldvögeln für Natura 2000 den Horst entdeckt. Das Paar konnte zwei Jungfalken erbrüten, wobei einer der beiden verunglückte. Deshalb wurden beim Beringen zwei weitere Jungfalken aus der Zucht eines polnischen Züchters hinzugesetzt. 

 

Am 24. Mai erfolgte der zweite Transport durch Prof. Flüh mit drei Falken aus Hamburg (Saar) und Berlin (Reckling) zum Auswilderungsstandort Barlinek (Berlinchen). Die Falken wurden am nächsten Tag mit weiteren 12 Jungfalken von polnischen und tschechischen Züchtern nach dem Beringungs- und Dokumentationsprozedere, was generell immer stattfindet, auch wenn es nicht explizit erwähnt wird, auf die vier Auswilderungskästen verteilt.

 

Am Horst Barlinek I (Berlinchen) wurde das bereits im letzten Jahr identifizierte Paar (♀Saar, ♂ Tschechien) bestätigt und konnte zwei Jungfalken erbrüten. Bei der amtlichen Beringungsaktion am 10. Juni wurden drei weitere Jungfalken aus der Zuchtstation Czempiń mit in den Horst gesetzt. 

 

Ein zweiter neuer Horst wurde uns aus Barlinek II (Berlinchen) von einem Förster und Jäger gemeldet, der das Paar in einen Seeadlerhorst auf einer alten Kiefer entdeckte. Leider verschwanden die Jungen noch vor dem Beringungstermin. Wir vermuten, dass sie dem in zwei Kilometer entfernt brütenden Uhu zum Opfer gefallen sind. Unmittelbar nach der Unglücksmeldung fuhr Sławek an den Horst. Er konnte Eierschalen sicherstellen und relativ frische Schmelzspuren von Jungvögeln entdecken, was die Annahme vermuten lässt, dass sich wohl bereits Jungvögel im Horst befunden haben. Das Paar wurde nach dem Unglück auch weiterhin in der näheren Umgebung beobachtet. Erstaunlicherweise hielt sich während der Balz und Brutzeit ein zweiter Terzel im unmittelbaren Horstbereich auf, der weder Einfluss auf das Balz- oder Brutgeschäft nahm, noch von dem Paar in irgendeiner Weise besondere Beachtung fand oder attackiert worden wäre. 

 

Am Auswilderungsstandort in Krynki an der weißrussischen Grenze, organisierte die Försterei von Krynki zusammen mit dem ortsansässigen Falkner die Auswilderung selbstständig. Drei Falken eines polnischen Züchters wurden am 8. Juni beringt und in den Auswilderungskasten eingesetzt. 

 

Beim dritten Transport aus Deutschland, durchgeführt von Przemysław Mierzejewski, wurden am 3. Juni sechs Jungfalken von Hamburg (Saar) nach Czempiń gebracht. Unsere polnischen Freunde brachten diese weiter zum Auswilderungsstandort Włocławek (Leslau), Zentralpolen, wo weitere 9 Falken von polnischen, slowakischen und tschechischen Züchtern zum Auswildern warteten und in die Auswilderungskästen gesetzt wurden. 

 

Am Standort Nowe Ramuki (Neu-Ramuck) Masuren erbrütete das letztjährige Paar (♂ Saar, ♀ unberingt)  drei Jungfalken. Am Auswilderungsplatz Olsztyn (Allenstein) Ostpreußen wurden insgesamt 21 Jungfalken ausgewildert. Dorthin wurden auch die Falken unseres vierten  und fünften Transportes am 20. Juni und 28. Juni gebracht mit Falken von Saar und Görze, erste Tour von Fahrer Gerhard Hasenäcker und zweite Tour mit Falken von Prof. Saar von Prof. Flüh.

 

Eine dritte Neuansiedlung wurde uns aus Dębno, 110km südlich von Szczecin (Stettin) Westpommern in der Nähe zur deutschen Grenze gemeldet. Hier hat sich ein junges Paar an einem Seeadlerhorst eingefunden, wie uns über den örtlichen Förster gemeldet wurde. Das Paar balzte und besetzte den Horst, ohne dass es jedoch zu einer Brut kam.

 

Alles im Allem war 2015 ein sehr erfolgreiches Jahr für uns, obwohl in zwei der drei Neuansiedlungen keine Jungen ausgeflogen sind, hatten wir keine Verluste beim Ausfliegen der Jungfalken zu verzeichnen.

Insgesamt wurden 76 gezüchtete junge Wanderfalken, davon 71 an den fünf Auswilderungsstandorten und fünf Jungfalken in Naturbruten zum Ausfliegen gebracht. 

 

Wir konnten von unberingten und nicht identifizierten Falken Mauserfedern sicherstellen und wollen diese einer DNA Untersuchung unterziehen. Es wäre interessant zu wissen, ob die sich angesiedelten unberingten Falken in irgendeiner Weise in Verbindung mit unseren ausgewilderten Falken stehen.

Ich möchte mich zum Schluss nochmals bei allen Helfern, unbekannter Weise und denen die mir namentlich bekannt sind, in alphabetischer Reihenfolge recht herzlich bedanken. 

 

Organisation: Janusz und Slawek Sielicki  

 

Züchter: Hans-Jürgen Görze, Rolf Ottmann, Prof. Dr. Christian Saar, Peter Sieber und Jörg Reckling

 

Fahrer und Helfer DFO: Ernst Flüh, Gerhard Hasenäcker, Przemysław Mierzejewski, Bernd Reuter, 

 

Helfer Polen: Krzystof Bykowski, Dariusz Kraśniewski, Henjo Mąka.

 

Anhand der Bilder und Darstellungen hoffe ich dem Leser einen besseren Überblick der Daten zu verschaffen. Ein ausführlicher Bericht wird im Jahrbuch 2015 zu lesen sein.

 


Elisabeth Leix

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