3. Internationales Falknerfestival

 

7.-9. Dezember 2014: Falconers' Desert Camp

 

Lang ersehnt war es im Dezember 2014 endlich soweit: das 3. Internationale Falknerei Festival fand vom 7. bis 13. Dezember in Abu Dhabi statt. Drei Jahre waren seit unserem letzten Besuch in den Vereinten Arabischen Emiraten (UAE) vergangen und unsere Vorfreude riesengroß. Voller Erwartungen und sehr gespannt auf die neue Auflage der Veranstaltung machten wir uns am 3. Dezember auf nach Abu Dhabi. Die Anreise gestaltete sich sehr entspannt und so trafen wir nach knapp 7 Stunden Flugzeit, mit einem Zwischenstopp in Frankfurt, am späten Abend bestens gelaunt aber doch ein wenig müde in unserem Hotel in Abu Dhabi ein.

 

Die nächsten Tage nutzten wir für einige touristische Unternehmungen in der Stadt (wir besuchten u.a. riesige Einkaufszentren, die Ferrari World und den Emirates Zoo) und lernten unsere nähere Umgebung kennen. Weiterhin besuchten wir das Sheikh Zayed Kulturerbe-Festival, auf welches wir schon bei unserer Ankunft am Flughafen aufmerksam wurden. Dieses gehörte zu einem umfangreichen Festprogramm anlässlich des 43-jährigen Jubiläums der Gründung der UAE. Auch kulinarisch gab es viel zu entdecken (die arabische Küche verzauberte unsere Gaumen mit ihrer Vielfalt an Gewürzen und Aromen). So waren die Tage bis zum Beginn des Festivals wie im Flug vergangen.

 

Vom 7. bis 9. Dezember erwartete uns das Wüstencamp als erster Teil des Falknerei-Festivals. Das Camp war mitten in der Wüste gelegen, 140 km westlich von Abu Dhabi in der sogenannten "Western Region". Also machten wir uns am Samstag Vormittag mit Sack und Pack auf den Weg dorthin. Wir freuten uns auf Jagdtouren mit Sakerfalken und Salukis (orientalische Windhunde), reichlich Kragentrappen (Houbara)- und Hasen-Anblick, das Reiten auf Dromedaren und heißblütigen Araberpferden, sowie jede Menge neue Bekanntschaften mit Falknern aus aller Welt.

 

Die Anreise zum Ort des Geschehens gestaltete sich für uns hindernisreich, jedoch mit "Happy End". An genauen Ortsangaben sollte es nicht scheitern, für alle Veranstaltungsorte lagen exakte GPS-Koordinaten vor. Doch in Europa übliche Anfahrtsbeschreibungen mit Straßennamen etc. suchte man vergebens. Wohl dem, der einen Mietwagen mit Navigationssystem zur Verfügung hatte und der Bedienung des Gerätes mächtig war. Wir setzten auf Taxi und den angekündigten Shuttle Bus Service und erlebten zusammen mit dem Ehepaar Flüh eine turbulente Fahrt zum Camp. Trotz des Wirrwars begegnete uns an jeder Stelle Gastfreundlichkeit und jede Menge Hilfsbereitschaft. Den schließlich aufgetriebenen völlig übermüdeten Taxifahrer des Shuttle Service hielten wir erfolgreich bis zur Ankunft im Camp wach und konnten dann am Nachmittag unsere Füße im Wüstensand vergraben.

 

Übernachtungsmöglichkeiten für die Gäste gab es - wie auch schon 2011 - in Zelten innerhalb eines voll ausgestatteten Camp-Geländes. Es war für Vollverpflegung gesorgt und das abwechslungsreiche Programm klang verheißungsvoll. Neben jagdlichen Aktivitäten und zahlreichen Flugvorführungen konnten auch Workshops besucht und Vorträge gehört werden. Ein weiteres Highlight bestand in der Vorstellung der neusten technischen Entwicklung auf dem Gebiet des Falkentrainings: ein fliegender Roboter-Houbara - der Robara. Dieses funkferngesteuerte Elektro-Flugzeug in Gestalt einer Kragentrappe ahmt das Wild und dessen Flug, nicht zuletzt aufgrund des mechanischen Flügelschlages, naturgetreu nach. Es erlaubt beeindruckende Übungen und Flugmanöver, die dem Falkner ein effizientes und elegantes Training seines Beizvogels ermöglichen. Jede Vorführung wurde staunend mit bewundernden Blicken verfolgt, sorgte für Begeisterung und reichlich anerkennende Zustimmung beim Fachpublikum.

 

Neben Beizvögeln und den Robaras machten auch kamerabestückte Drohnen den Himmel über der Wüste unsicher. Hierbei entstanden beeindruckende Luft-Aufnahmen des Camps und der Aktivitäten. Die Medienpräsenz war insgesamt sehr hoch - man konnte Vetreter von "Abu Dhabi Media" (ein bekannter Medienkonzern in den UAE und offizeller Partner des Festivals) fast überall antreffen. Berichte über das Wüstencamp und das sich anschließende Festival in Abu Dhabi entdeckten wir nach Rückkehr in unser Hotel im Fernsehen und verfolgten diese mit Begeisterung.

 

Auf Kino und Kultur musste ebenfalls niemand verzichten: dafür sorgten die "Sand Dune Cinema" Vorführungen sowie ein begleitendes Kulturprogramm. Lediglich Toilettenpapier war Mangelware und so verbrachte man die ein oder andere Wanderung von Sanitäranlage zu Sanitäranlage um eine vollständig ausgestattetes stilles Örtchen zu finden. Alternativ sammelte man zu den Mahlzeiten Servietten um sich zu behelfen. Die Stimmmung im Camp war großartig, so dass diese und andere Engpässe (aus europäischer Sicht) schnell für Erheiterung und Ausgelassenheit sorgten. Das Zusammenleben mit Menschen aus fremden Kulturkreisen auf engstem Raum stellte uns das eine oder andere Mal vor Herausforderungen, die wir allerdings sämtlich meisterten. Jeder auf seine Art - durch Flucht oder bestimmtes Auftreten und klare Ansagen.

 

Morgens und am späten Nachmittag zogen täglich Jagdgemeinschaften mit Sakerfalken und Salukis zur Jagd auf Houbaras und Hasen los. Per pedes oder auf dem Rücken von Dromedaren war es den Festival-Teilnehmern möglich diese zu begleiten. Wir hofften sehr auf Anblick von Kragentrappen, da uns dieser 2011in der Wüste leider nicht gegönnt war. Wir sollten nicht entäuscht werden! Auf jeder unserer Jagdtouren begegneten uns die Trappen und Hasen und wir konnten Jagdflüge der Sakerfalken und Einsätze der Windhunde miterleben. Gerastet wurde landestypisch am Feuer mit heißem arabischen Kaffee und Datteln, die uns belebten und für den Rückweg durch den Wüstensand stärkten. Hier noch ein Lob an die Verantalter: die Versorgung mit Trinkwasser war hervorragend organisiert und wir waren stets mit Getränken bedacht.

 

Wer ein wenig Wald erleben wollte, der begleitete am Nachmittag Falkner mit Harris Hawks zur Hasenjagd in eine Plantage. Der Anfahrtsweg war lang aber lohnenswert. Wir durften wendige Flüge der Harris Hawks auf ansässiges Niederwild bei Sonnenuntergang verfolgen und lernten ein weiteres Stück Abu Dhabi kennen. Das Angebot an Aktivitäten umfasste weiterhin Exkursionen zur Falkenklinik, der Sheikh Zayed Moschee in Abu Dhabi, sowie dem parallel stattfindenden Sheikh Zayed Kulturerbe-Festival. Einen Platz zu ergattern war eine Herausforderung, etwa 1000 Gäste tummelten sich im Wüstencamp und die Zahl der Shuttle Busse war eher übersichtlich. Hier war viel Organisationstalent gefragt, welches die Veranstalter trotz vieler Stolpersteine und täglich neuer Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert waren, immer wieder aufs Neue bewiesen.

 

11.-13. Dezember 2014: Al Forsan International Sports Resort, Abu Dhabi

 

Am Mittwoch, den 10. Dezember stand die Abreise aus dem Wüstencamp und das Einchecken in die Hotels in der Stadt auf dem Plan, so dass wir uns entschlossen, bereits am Dienstagabend das Camp mit einem Shuttle Bus in Richtung Abu Dhabi zu verlassen und in unser Hotel zurück zu kehren. Nach vier erlebnisreichen Tagen in der Wüste - voller neuer Eindrücke und wahrlich begeistert - freuten wir uns nun auf die vom 11. bis 13. Dezember im Al Forsan Sport Resort in Abu Dhabi stattfindenden und für die Öffentlichtkeit zugänglichen Veranstaltungtage. Doch zunächst lud der Abu Dhabi Falconers Club am Mittwochabend zu einem Barbecue auf sein Vereinsgelände am Rande von Abu Dhabi ein. Neben dem Genuss von arabischen Spezialitäten standen Flugvorführungen und kulturelle Darbietungen mit Musik und traditionellem Tanz auf dem Programm. Falknereizubehör fehlte dabei ebenso wenig wie die omnipräsente Gastfreundschaft der Emiratis. Dieses Barbecue bildete einen gelungenen Abschluss der Jagdtage in der Wüste und markierte den Auftakt zum offziellen Teil des Falknerei-Festivals.

 

Dieses öffnete am nächsten Morgen seine Pforten für die breite Öffentlichkeit und lockte am ersten Tag potentiellen Falkner-Nachwuchs im Rahmen eines "Schülertages" an. Mit sehr viel Liebe zum Detail waren die Schulkinder angeregt, die Welt der Falknerei zu entdecken und somit spielerisch mehr über die Jagd mit dem Greifvogel zu Hause und in der ganzen Welt zu lernen.

 

Auf dem Gelände des Sport Resorts hatte jede teilnehmende Nation Gelegenheit in einem eigenen Zelt ihr Verständnis von Falknerei und ihre landestypische Form der Ausübung vorzustellen und dem interessierten Besuchern näher zu bringen. Es konnten alle möglichen Elemente der Darstellung genutzt werden. Als sehr beliebt stellten sich natürlich auch "Werbematerialien" wie Aufkleber, Schlüsselbänder, Ansteck-Pins, Kugelschreiber und Broschüren der verschiedenen Falknervereinigungen und -verbände heraus - diese fanden überall reißenden Absatz. Ein Besuch der einzelnen Zelte wurde stets belohnt, da jedes für sich mit seinen Akteuren, zum Teil auch in landestypischer Tracht, einzigartig und sehenswert war.

 

Die deutschen Falkner präsentierten sich in leuchtend apfelgrünen Polo-Shirts - vielleicht nicht jedermanns Geschmack, aber auf alle Fälle mit hohem Wiedererkennungswert! Sichtlich viel Engagement und Leidenschaft von Seiten der im Zelt anwesenden Falkner (wir teilten uns gut organisert den Dienst im Zelt) bot allen Neugierigen die Möglichkeit unser Verständis von Falknerei, unsere Beizvögel, unser Wild und jagdliche Traditionen sowie die Geschichte der Falknerei in Deutschland kennen zu lernen. Die überarbeitenden Booklets zur Präsentation der falknerischen Aktivitäten in Deutschland waren wie schon 2011 begehrt und sehr gut geeignet in kompakter Form viel Wissenswertes zu vermitteln. Im Gästebuch des DFO konnten viele weitere Seiten gefüllt werden und wir freuten uns über das rege Interesse und die vielen Besucher in unserem Zelt.

 

Das Festival bot dem Publikum neben den Länder-Zelten eine Menge weiterer Aktivitäten und Attraktionen: viele Verkaufsstände lockten mit Falknerzubehör und arabischen Souvenirs, die Falkenklinik in Abu Dhabi stellte sich vor, man konnte mehr über die Zucht von Houbaras und Salukis erfahren, es gab einen altersgerecht gestaltenen Bereich für Kinder zum Thema Falknerei und Greifvögel sowie eine große Arena zu Vorführungszwecken. Jeden Nachmittag fand hier eine große bunte Parade aller teilnehemenden Nationen statt. Abschluss des Festivals bildete eine solche Parade am Samstag, den 13. Dezember und verabschiedete damit alle Teilnehmer und Besucher des Festivals würdig. Hinter uns lagen sieben aufregende und erlebnisreiche Tage ganz im Zeicher der Falknerei und zurück in Deutschland waren wir uns wieder einmal einig, den Vereinten Arabischen Emiraten nicht den letzten Besuch abgestattet zu haben.

 

Unser Dank gilt allen Veranstaltern, Organisatoren, Mitwirkenden, Partnern und Sponsoren, die eine solche großartige Veranstaltung ermöglichten und für unvergessliche Tage in Abu Dhabi sorgten! Ebenso überwältigend war die Gastfreundlichkeit, die uns an jedem Ort in Abu Dhabi begegnete und den Aufenthalt ungemein bereicherte.

 

Franziska Zientek, LV Sachsen

 

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