Ordenstagung 2014 in Niedernhausen


Sie ist vorbei, unsere Tagung in Niedernhausen nahe Wiesbaden. Leider.

Schön war es. Der Landesverband Hessen hatte sich große Mühe gegeben, die Tagung so perfekt zu organisieren wie möglich – und es ist ihm auch gelungen.

Das Hotel war verkehrstechnisch günstig nahe der Autobahn gelegen. Es war groß genug, alle (oder die meisten) Teilnehmer aufzunehmen und bot ausreichend Platz für Fahrzeuge, Beizvogelwiese, Beizvogelunterbringung und für den Beizvogelappell.

Zunächst möchte ich mit ein paar Zahlen beeindrucken:

350 Personen hatten sich angemeldet. Der Name „Internationale Falknertagung“ war dabei mehr als berechtigt. Wir hatten Gäste aus den Niederlanden, der Schweiz, Belgien, Österreich, England, Schottland, Spanien, USA und Katar.

78 Beizvögel waren gemeldet, davon waren 24 Falken, 41 Kurzschwingen (Habichte und Harris Hawks) und 13 Steinadler.


Die Zahl der Reviere, die für die Tagung organisiert worden sind, betrug sagenhafte 118. Davon waren allein 87 Reviere nur für die Krähenbeize! Ein großer Dank geht daher nicht nur an die Organisatoren, sondern auch an die Revierinhaber, die uns diese Tagung durch die Zurverfügungstellung ihrer Reviere überhaupt ermöglichten.

Am Donnerstag, dem ersten Tag, wurde die Tagung durch Dr. Olaf Sander, Vorsitzender des Landesverbandes Hessen eröffnet. Anschließend sprachen der Niedernhausener Bürgermeister Herr Reimann, der Landrat Herr Albers und Herr Dr. Jürgen Ellenberger, Präsident des Landesjagdverbandes Hessen und Schirmherr der Tagung, feierliche Grußworte.

Am Abend wurde bereits der Festvortrag geboten. Prof. Dr. Peter Kunzmann vom Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie der tierärztlichen Hochschule Hannover und akademischer Rat  am Lehrstuhl für angewandte Ethik  der Universität Jena referierte über den "Wert der Falknerei". Er versuchte dabei zu analysieren, warum die Falknerei für den Menschen einen unschätzbaren Wert darstellt und unter welchen Voraussetzungen bzw. mit welchen Sichtweisen dies verbunden ist.

Der Freitag war der erste Beiztag. Bei schönem, fast zu warmem Wetter fuhren wir in die Reviere. Mein eigener Vogel musste verletzt pausieren, dafür hatte ich zum ersten Mal die Möglichkeit, bei einer Adlergruppe mitzugehen, was sich bisher nie ergeben hatte. Mit vier Adlern und einer großen Zuschauerzahl, die natürlich gut als Treiber genutzt werden konnte, wurden in dieser Gruppe 3 Hasen gebeizt.

Am Abend wurde zur Mitgliederversammlung gebeten. Es trugen sich 163 Mitglieder in die Anwesenheitsliste ein.

Ein wichtiger Punkt der Versammlung war die Wahl des/der Vorsitzenden, des/der zweiten stellvertretenden Vorsitzenden, des/der stellvertretenden Geschäftsführers/-führerin und des Schatzmeisters/der Schatzmeisterin.

Herr Hans-Albrecht Hewicker stand als Vorschlag des Vorstandes für den Posten des ersten Vorsitzenden zur Verfügung. Er wurde mit 149 Für- und 7 Gegenstimmen gewählt. Herr Hewicker ist  seit 1978 im Vorstand, kennt sich in der Vorstandsarbeit bestens aus und ist seit 1985 verantwortlicher Redakteur  unseres Jahrbuchs, dessen aktuelle Ausgabe erfreulicherweise noch vor der Tagung an die Mitglieder ausgeliefert wurde. Wir freuen uns auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit.

Durch die Wahl von Herrn Hewicker zum Vorsitzenden wurde zwangsläufig der Posten des 1. stellvertretenden Vorsitzenden frei. Der Vorstand schlug Elisabeth Leix für den Posten vor. Sie wurde mit 147 Für- und 8 Gegenstimmen gewählt.

Für den wiederum frei gewordenen Posten des 3. stellvertretenden Vorsitzenden schlug der Vorstand Herrn Ferdinand Baer aus dem Landesverband Bayern vor. Herr Baer ist von Beruf Musiklehrer an einem Gymnasium, leitet jedoch in seiner Freizeit die Vogelauffangstation Regenstauf des LBV. Für das Training von Greifvögeln vor der Auswilderung setzt er mit Vorliebe falknerische Methoden ein und jagt die Vögel z. T. ein, bevor er sie in die freie Wildbahn entlässt. Trotz seiner Nähe zum LBV hängt sein Herz mehr an der Falknerei. Er hofft das Verständnis für unsere Jagdart in LBV-Kreisen langfristig verbessern zu können.

Herr Baer erhielt 121 Für- und 30 Gegenstimmen.

Für die Position der stellvertretenden Geschäftsführerin stand ich selbst wieder zur Verfügung.

Auf mich entfielen 149 Für- und 5 Gegenstimmen.

Alexander Prinz war vom Vorstand für eine Wiederwahl zum Schatzmeister vorgeschlagen und wurde mit 153 Für- und 2 Gegenstimmen gewählt.

Das Ausscheiden von Johannes Kuth als Vorsitzenden bedauern wir sehr. Er hat den DFO sicher und gut über 8 Jahre Amtszeit geführt – vorherige Ämter wie z. B. den Vorsitz des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen nicht mitgezählt. Mit seiner diplomatischen Art ist er unter anderem für die deutlich bessere Kommunikation mit den anderen Verbänden verantwortlich. Um diese Kommunikation weiterhin zu erhalten und noch zu verbessern wurde Johannes Kuth auf der Mitgliederversammlung zum Obmann für die Zusammenarbeit der Verbände ernannt. Wir freuen uns, ihn damit nicht ganz aus dem Ordensrat verloren zu haben.

Der zweite und letzte Beiztag war wettertechnisch – zumindest für die Beizjagd – etwas günstiger, denn es war etwas bedeckt. Aber warm war es immer noch und so kam ich beim Durchkämmen des Geländes nach Kaninchen für die Habichte wieder ins Schwitzen. Das Gras war nass und die Kaninchen lagen fest, sodass sich trotz der allgegenwärtigen Losung, den vielen Röhren und motivierter Hunde und Treiber doch nicht so viele Chancen auftaten, wie man hätte erwarten können. Nichtsdestotrotz ging „meine Gruppe“ mit drei Kaninchen nach Hause. Beinahe hätte es noch einen schönen Fasanenhahn gegeben, aber fast gebeizt ist auch entkommen (oder so ähnlich) und so freuten wir uns immerhin über den spektakulären Flug.

Am Abend (so eine Tagung ist ja kein Spaziergang, sondern kann durchaus ein wenig in Stress ausarten) fand der Grüne Abend statt.

Eröffnet und begleitet wurde er durch den Bläser der Jägerschaft Wiesbaden. Ein herzliches Dankeschön an die Bläser!

Das Hotel hatte ein erstaunlich reichhaltiges und leckeres Buffet vorbereitet, das sicher alle befriedigt hat. Nach der Stärkung wurden die Gewinne der Tombola gezogen. Als Glücksfeen waren die beiden Töchter der Familie Prinz auserkoren worden, die sich wacker durch die über 80 (!) Lose zogen. Das Highlight war sicher eine GPS-Telemetrieanlage der Firma Martin-Systems, lachtechnisch hatte aber ein lebensgroßer Holzadler mit ausgebreiteten Schwingen die Nase vorn.

Ansonsten bot der Abend noch viel Raum für Gespräche und das eine oder andere Getränk, sodass es verwunderlich war, dass am nächsten Morgen doch sehr viele Personen (120 waren angemeldet, der Saal sah aber voller aus) an den angekündigten Vorträgen und Workshops teilnahmen.

Am Sonntag um 9:30 Uhr zeigte Dr. Benjamin Ponitz Flugstudien über die Aerodynamik des Wanderfalken im Sturzflug. Es folgte ein Workshop von Prof. Dr. Michael Lierz und Dominik Fischer über Erste Hilfe beim Greifvogel. Der Workshop war aufgeteilt in einen Vortragsteil und einen praktischen Teil, in dem einfache Verbände und Stabilisierungsmaßnahmen gezeigt wurden.

Im folgenden Workshop stellte Elisabeth Leix verschiedene Trainingsmethoden für Beizvögel gegenüber – angefangen beim Vertical Jumping über das Federspiel, die motorisierte freie Folge, den Drachen bzw. den Ballon bis hin zum Octocopter. Für jede Trainingsform stellte sie die Vor- und Nachteile heraus. Anschließend wurde ein Octocopter vor dem Hotel vorgeführt (ohne Vogel).

Das Ende dieses Workshops läutete auch das Ende der Tagung ein. Viele Teilnehmer, die einen längeren Heimweg hatten, hatten sich bereits am Vormittag verabschiedet. Alle anderen packten nun ihre Koffer und Beizvögel ein und verabschiedeten sich von all den Freunden, die man nun vielleicht erst wieder in zwei Jahren, auf der nächsten Tagung sehen würde. Einige blieben noch, um vor der interessierten Öffentlichkeit ihre Beizvögel zu präsentieren, denn wie auch in den letzten Jahren gab es am Sonntagmittag noch eine Flugvorführung zu bewundern

Das Organisationsteam konnte sicher noch nicht aufatmen, bedeutet doch das Ende einer Tagung erst den Beginn des Abbauen und Aufräumens.

Ein großer Dank geht hiermit nochmals an das hessische Organisationsteam. Vielen Dank für Eure Mühe, ihr habt das toll hinbekommen.

Nach der Tagung ist vor der Tagung, in zwei Jahren sind wir Niedersachsen wieder an der Reihe. Wir sehen uns dann alle spätestens wieder in Sögel, Emsland.

 

Die Galerien zur Tagung finden Sie hier und hier.

 

Anke Bormann
Stellv. Geschäftsführerin

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