Stellungnahme des Deutschen Falkenordens e.V. zum Video eines Tierrechtsvereins zur Anbindehaltung von Greifvögeln

 

(24.11.21 Seelze, DFO) Derzeit gibt es unter Vogelhalterinnen und Vogelhaltern gelegentlich Diskussionen um ein am 15. November 2021 durch einen Tierrechtsverein veröffentlichtes Video zur Anbindehaltung. Gezielt emotionalisiert, mit melancholischer Musik sowie fehlerhaften und undifferenzierten Begleittexten untermalt, werden Sequenzen gezeigt, in denen in Wildparks Greifvögel, Falken und Eulen auf in der Falknerei üblichen Sitzgelegenheiten wie Block, Sprenkel oder auf dem Handschuh zu sehen sind. Es wird unterstellt, dass diese rechtlich anerkannte Haltung rein aus kommerziellen Gründen gewählt wurde und aus Sicht des Tierrechtsvereins tierschutzwidrig sei.

 

Verschwiegen wird dabei, dass in Wildparks, Tierparks und öffentlichen Falknereien wichtige Natur- und Umweltbildung geleistet wird und dass Greifvögel, Falken und Eulen dort gezeigt werden, damit Menschen jeden Alters diese kennen und schätzen lernen. Es wird über diese Tiere informiert, Vorurteile oder eine negative Voreingenommenheit der Menschen werden abgebaut und dadurch die Bereitschaft zur Unterstützung des Natur- und Artenschutzes nachhaltig gesteigert. Dabei liegt es auf der Hand, dass diese Ziele und die Generierung positiver Empfindungen und Sympathien bei Mitmenschen nur erreicht werden können, wenn die gehaltenen Tiere unversehrt, körperlich fit und vollständig gesund sind. Ebenso verhält es sich mit Vögeln, die im Rahmen der Beizjagd aktiv sind. Die Beizjagd ist eine der ältesten und natürlichsten Jagdarten, bei denen Greifvögel und Falken in Zusammenarbeit mit Falknerinnen und Falknern, ihrem Instinkt folgend und in ihrem natürlichen Lebensraum auf artgemäße Weise Wild jagen. Somit ist es völlig nachvollziehbar und gerechtfertigt, dass die Falknerei als einmalige Mensch-Tier-Beziehung von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt wurde.

 

Aus den oben genannten Gründen setzen Falkner und Falknerinnen, Tierärzte und Tierärztinnen sowie Tierpfleger und Tierpflegerinnen gemeinsam alles daran, dass es den gehaltenen Tieren gut geht und sie gesund bleiben. Somit werden mit Bedacht und unter Beachtung der individuellen Eigenschaften eines jeden Vogels geeignete Haltungsformen gewählt, die sich, wie die falknerische Haltung, über viele Jahre als tierschutzkonform und rechtmäßig bewährt haben. Die Falknerei zählt damit zu den tiergerechtesten und tierschutzkonformsten Formen der Tierhaltung überhaupt, da in kaum einer anderen Art der Tierhaltung das Tier frei fliegen und selbst entscheiden kann, wann und ob es zur Falknerin oder zum Falkner zurückkehrt. Zudem werden schon seit Jahrzehnten von Falknerinnen und Falknern die hierfür notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten in speziellen Lehrgängen erworben und in staatlichen Prüfungen unter Beweis gestellt - eine vergleichbare Fach- und Sachkunde gibt es bisher für keine andere Form der Tierhaltung.

 

Die undifferenzierte Darstellung und die bewusste Fehlinformation dieses Vereins zeigen einmal mehr dessen unprofessionelle Vorgehensweise und Oberflächlichkeit und setzen das Niveau seiner Kritik herab. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dadurch nicht das Tierwohl verbessert, sondern vielmehr Spenden für den Verein generiert werden sollen, wobei die potentiell erhöhte Spendenbereitschaft der Mitmenschen in der Vorweihnachtszeit kühl berechnend ausgenutzt wird. Das Bestehen von vermeintlich tierschutzwidrigen Haltungsformen vor den Augen der Öffentlichkeit, zahlreicher Besucherinnen und Besuchern, Falknerinnen und Falknern und der verantwortlichen Veterinärbehörden ist absurd, beleidigend für alle Beteiligten und hat aus unserer Sicht nichts mit journalistischen oder aufdeckerischen Leistungen, sondern mit vorsätzlicher Fehlinformation und emotionaler Manipulation zu tun.

 

Wir hoffen, dass am Vogelschutz interessierte Mitmenschen lieber das direkte Gespräch zu Falknerinnen und Falknern suchen und laden sie ein sich ein eigenes und unverzerrtes Bild von der Falknerei und der faszinierenden Kooperation zwischen Vogel und Mensch zu machen, anstatt auf solche ideologischen Irrfinten einzugehen.

Hier können Sie die Stellungnahme als PDF downloaden:

Stellungnahme DFO Anbindehaltung 24.11.2021.pdf (648,7 KiB)

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