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Sommerfest LV Bayern e. V.

Selbst für die Dohlen in der Vogelauffangstation Regenstauf wird es ein denkwürdiger Tag: Obwohl kein einziges Stück Pizza Anstalten macht, in ihre Richtung zu wandern, legen sie in der Großvoliere immer wieder die Köpfe schief und können sich offenbar nicht satt sehen. 80 feiernde Falknerinnen und Falkner, solch ein Anblick bietet sich schließlich nicht alle Tage. Gastgeber Ferdinand Baer hat erwartungsgemäß wieder alle Strippen gezogen und für bestes Sommerfest-Wetter gesorgt. Die besondere Höhe des Thermometers (32 Grad im Schatten) muss als Willkommensgeschenk an die Ehrengäste verstanden werden – sie kennen sich mit Hitze aus.

Dass die bayerische Falknerschaft in Regenstauf nicht ganz unter sich bleiben wird, hat sich am Vortag per Mail bereits angedeutet: Die Nachricht, dass ein Gottesdienst zur Wiedereröffnung der Regenstaufer Kirche den Anreisebetrieb lahmzulegen drohe, war auf Deutsch und auf Arabisch abgefasst. Am Ende kommen aber alle am Masurenweg an, auch die Gäste aus Katar: Ali Al-Meshadi ( Präsident der AlGannas Society ), Mohammad Al-Mesned ( Vizepräsident ),Zayed Al-MaaDeed (IAF- Delegierter der Al Gannas ), Mohammad Ali Suidan, machen auf ihrer Urlaubsreise durch Europa beim Sommerfest des LV Bayern Station und unterhalten sich lebhaft mit der Noch-Bundesvorsitzenden Elisabeth Leix; man kennt und schätzt einander seit vielen Jahren. Ihre traditionellen Gewänder haben sie für diesen Anlass im Hotel gelassen, und auch sonst ist einiges anders als in ihrem Emirat: Die Preise für Wasser! Die Preise für Benzin! Die Herren staunen, sind ansonsten aber voll des Lobes für das schöne, herrlich heiße Bayern.

Ebenfalls anwesend ist der neue Präsident des Landesjagdverbandes, Hubert Stärker. Die ersten 100 Tage im Amt hat er bereits hinter sich, womit das Ende der Schonzeit erreicht wäre: Beim Austausch der Gastgeschenke mit den katarischen Besuchern ist ihm mithin eine Rolle zugedacht. Ebenfalls erledigt werden muss der Falknerschlag: 11 Prüflinge haben in diesem Jahr bestanden, vier sind extra angereist, um unter den Augen von Kursleiter Martin Lodermeier ihre Urkunde zu empfangen. Auch Ferdinand Baer muss nicht mit leeren Hände nach Hause: Bei der Sammlung zugunsten der Auffangstation kommen 878 Euro und 36 Cent zusammen. 17 Jungstörche, die hier derzeit tagtäglich auf Futter warten, werden es zu schätzen wissen. Schließlich erhalten auch noch Landesverbandsvorsitzender Michael Mickisch und seine Frau und LV-Schatzmeisterin Barbara Mickisch ihr Dankeschön für die tadellose Organisation dieser Sommersause.

Wer nun aber glaubt, außer feierlichen Reden und überreichten Blumensträußen sei in Regenstauf nichts geboten gewesen, liegt maximal daneben. Das Thema Atzung steht im Ranking nach wie vor ganz oben, und so ist das Buffet mit Salaten, Aufstrich und den köstlichsten Nachspeisen wieder einmal unüberschaubar, den spendablen Köchen sei Dank. Nicht zu vergessen natürlich die italienischen Spezialitäten! Michael Mickisch hat der Autorin im Vorfeld so oft und ausführlich vom italienischen Food Truck berichtet, den er an Land zu ziehen gedenke, dass sie ihn bereits im Land der Sage vermutete. Doch Irrtum: Der Food Truck steht da und mit ihm ein Team aus zwei jungen Pizzabäckern. Wer die lange Schlange schließlich bewältigt hat, wird mit einer krossen Pizza Rucola belohnt.

Weil bei einem Falknerfest der eine oder andere Falke auf der Faust nicht fehlen darf, ist Klaus Leix mit gleich zwei jungen Terzeln angereist - dies unter dem Vorwand, sie hätten soeben ihr Rucksackgeschirr angelegt bekommen und nicht unbeaufsichtigt im Allgäu zurückbleiben dürfen. Wer Klaus kennt, weiß jedoch, dass er seine Falken womöglich noch dringender braucht als sie ihn, womit nun alles seine schönste Ordnung hat. Grundsätzlich wird an ausnahmslos allen Tischen über Falknerei und praktizierten Vogel- und Niederwildschutz geredet; die nächste Beizsaison steht spürbar bevor.

Zu fortgeschrittener Stunde trägt Michael Mickisch wieder seinen Korb mit Schnäpsen durch die Reihen und hält dabei immer wieder vier Finger in die Höhe. Dies bezieht sich mitnichten auf die Stückzahl des von ihm gebeizten Wildes, sondern auf die Zahl der Arbeitstage, die er bis zur Rente noch bewältigen muss. Dies gibt Anlass zu hochfliegenden Hoffnungen: Ein Michael Mickisch, der nun ohne jede zahntechnische Verpflichtung ein Jahr lang Zeit hat, das nächste Sommerfest vorzubereiten: Was wird er sich wohl einfallen lassen? Unbestätigten Gerüchten zufolge sind der Küchenchef des Sterne-Restaurants Tantris sowie das Deutsche Fernsehballett für 2027 bereits angefragt.

Tanja Rest, Redaktion Tinnunculus